Ein Schiff wird kommen - Arctic Sea nach Algerien unterwegs?
Finnischen Medienberichten zufolge wird der Frachter, dem zuletzt in Las Palmas die Ankererlaubnis versagt wurde, nun bereits am 4. Oktober am eigentlichen Bestimmungsort, im algerischen Hafen von Bejaia erwartet. Das Schiff ist nach wie vor von der Bildfläche verschwunden, eine Bestätigung für diese neue Information gibt es zunächst nicht.
Die Arctic Sea, die im Schlepptau eines russischen Kriegsschiffes zuletzt nur sehr langsam vorankam, muss auf Hoher See wohl notrepariert worden sein, wird spekuliert. Vergangene Woche hatten die Angehörigen der mutmaßlich vier noch an Bord verbliebenen Besatzungsmitglieder in einem Offenen Brief die Seefahrergewerkschaft ITF, das Internationale Rote Kreuz und die Regierungen von Russland, Malta, Finnland und Spanien um Hilfe gebeten.
Sie hätten seit dem 18. September keinen Kontakt mehr mit ihren Ehemännern gehabt, die sich in einem schlechten Gesundheitszustand befänden. Diese berichteten zuletzt, dass das Trinkwasser und die Nahrungsmittel knapp seien und sie unter enormen Stress litten.

Erwartungsvolles Wiedersehen: "Arctic Sea is coming to youuu...."
Der Holzfrachter, von dem spekuliert wird, dass er außer Holz auch noch russische Luftabwehrraketen vom Typ S-300 an Bord gehabt haben könnte, die für den Iran bestimmt gewesen seien, ist in der Vergangenheit offenbar schon öfters vom Radar verschwunden, enthüllte ein britisches Schifffahrts-Magazin – immer in der Gegend von Gibraltar und immer mit Holz an Bord.
Für kürzere Zeiträume ist es durchaus normal und häufig, wenn Schiffe aufgrund der begrenzten Reichweite der AIS-Signale nicht geortet werden können.
Frühere Blackouts der Arctic Sea:
01.04.09 - 11.04.09
13.02.08 - 04.03.08
26.04.07 - 14.05.07
Immer kam die Arctic Sea aus Finnland oder Estland und lief mit Holz beladen regelmäßig zwei algerische Häfen an. Die Reederei Solchart wollte gegenüber der Presse dazu keine Stellung nehmen.
Neben dem weit verbreiteten Verdacht über eine verdeckte Raketenlieferung an den Iran gibt es durchaus noch eine andere ernst zu nehmende Hypothese, insofern Algerien nicht eine Zwischen-, sondern die Endstation des mutmaßlichen Schmuggelgutes gewesen sein könnte. Nicht nur der Iran, sondern auch Algerien arbeitet seit längerem an einem Atomprogramm, wenngleich das Land dabei vor allem mit den USA und Frankreich kooperiert.
So könnten neben der vergleichsweise sperrigen Raketenfracht durchaus auch andere, vielleicht auch radioaktive Utensilien transportiert worden sein. Erst kürzlich wurde wieder ein russischer Frachter in Norwegen erwischt, der nicht deklarierte Atomabfälle geladen hatte.

MCL Trader: 12 Container mit Atomabfällen aus Polen an den Behörden vorbei geschippert
Und im Mai 2008 war eben dieses Schiff, das eine Spezialgenehmigung für radioaktive Transporte hat, vor der Insel Bornholm auf Grund gelaufen. Ursache: Alkoholische Intoxikation, sprich - die Besatzung war stinkebesoffen. Gott sei Dank war das Schiff damals unbeladen.
Wir erinnern uns, dass nach dem Auslaufen der Arctic Sea aus dem finnischen Hafen von Pietarsaari Unbekannte die Feuerwehr alarmiert hatten, der Anlegeplatz sollte auf Radioaktivität hin überprüft werden.
Und noch was gibt zu denken: Am 23.08., also wenige Tage nach der Befreiung der "Arctic Sea" hat laut einem Magazinbericht Israel über amerikanische Vermittler Algerien gewarnt, sich weiterhin feindselig gegenüber der Sicherheit Israels zu verhalten. Konkret ginge es dabei um den Schutz der Seehandelswege, die über die Straße von Gibraltar an den angrenzenden Militärbasen Algeriens in einem Abstand von weniger als 100 Seemeilen vorbeiführen. Israel zeigte sich besorgt über die in den letzten Jahren ausgebauten militärischen Seestreitkräfte Algeriens.
Interessant ist auch die Bemerkung eines Anwaltes der "Piraten" gegenüber der Presse, er hätte ein Verhörprotokoll einsehen können, aus dem hervorgeht, dass die Arctic Sea bereits zwei Tage vor dem behaupteten Hijacking, also am 22. Juli, von einem Schnellboot mit ca. 22-24 Mann an Bord angehalten worden wäre, die das Schiff dann 12 Stunden lang durchsucht hätten.

Arctic Sea: Bereits nach 15 Seemeilen nach dem Auslaufen gestoppt?
Nur wenige Weblogs wie z.B. der Seefahrerblog und World.Content.News hatten früh die AIS-Signale ausgewertet und waren bei einem Deutungsversuch zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen, die Presse ging - soweit bekannt - nicht darauf ein. <Schulterklopf>? Oder hat der Jurist nur sehr ausführlich im Internet gestöbert?
Der britische Guardian berichtete, der Anwalt hätte die Version der Angeklagten wiederholt, die Männer wären vom estländischen Pärnu aus aufgebrochen und wären beim Testen eines Navigationsgerätes in eine Notsituation gekommen. Daraufhin seien sie von der Mannschaft der Arctic Sea freundlich aufgenommen worden und hätten des öfteren "Party" mit ihnen gefeiert:
"We spent the last two nights on board getting drunk with the crew"
Das höchste Moskauer Gericht hat jüngst bestätigt, dass die weitere Haftunterbringung der mutmaßlichen Hijacker gerechtfertigt sei.
Und da war noch der vornehme Pirat, der ehemalige Chef einer Reederei namens Dmitri Savin. An anderer Stelle wurde bereits ausführlich über seinen Werdegang berichtet.
Im Zusammenhang mit dem Verschwinden der Arctic Sea im Englischen Kanal stellt sich jetzt heraus: Da muss ziemlich viel Verkehr gewesen sein an diesem Tag.

Savin-Schiff "Nordic Victory": Mit der Arctic Sea den Kanal hinunter...
Nicht nur Schiffe aus dem Eignerumfeld wie die vom Seefahrerblog beschriebenen Schiffe "North Spirit" und die "Sea Progress" hatten sich auf die Fersen des Holzfahrers begeben, nein - viel schlimmer - auch ein sogenannter "Piratentanker" :-) namens "Nordic Victory" (früherer Name: Pakri Victory) tuckerte im Abstand von etwa einer Stunde hinterher. Und das wohl mehrere Tage lang, wenn man davon ausgehen darf, das die Route der dann unsichtbaren Arctic Sea eine ähnliche gewesen sein muss.
Und warum Piratentanker? Pakry Victory, auf den Transport von Öl und Chemikalien spezialisiert, fuhr bis letztes Jahr noch für Pakry Tankers, die pleite gegangene Firma des Piratenhäuptlings Savin. Schöne Seilschaften oder furchtbare Verwandtschaften. Oder alles nur blöde Zufälle?
Quellen:
Arctic Sea re-appears on list of arrivals at Algerian port
(Helsingin Sangomat, 28.09.2009)
Wives Seek Return of Sailors
(St. Petersburg Times, 28.09.2009)
Arctic Sea schon öfters vom Radar verschwunden
(Russland Aktuell, 25.09.2009)
Crew 'welcomed' Russian 'pirates'
(BBC, 24.09.2009)
Russia’s Murmansk receives first nuclear waste import from Poland (bellona.org, 24.09.2009)
siehe auch:
Las Palmas: Arctic Sea jetzt unter militärischer Besatzung
(WCN, 23.09.2009)
Arctic Sea: Bisherige Artikel von World.Content.News
Die Arctic Sea, die im Schlepptau eines russischen Kriegsschiffes zuletzt nur sehr langsam vorankam, muss auf Hoher See wohl notrepariert worden sein, wird spekuliert. Vergangene Woche hatten die Angehörigen der mutmaßlich vier noch an Bord verbliebenen Besatzungsmitglieder in einem Offenen Brief die Seefahrergewerkschaft ITF, das Internationale Rote Kreuz und die Regierungen von Russland, Malta, Finnland und Spanien um Hilfe gebeten.
Sie hätten seit dem 18. September keinen Kontakt mehr mit ihren Ehemännern gehabt, die sich in einem schlechten Gesundheitszustand befänden. Diese berichteten zuletzt, dass das Trinkwasser und die Nahrungsmittel knapp seien und sie unter enormen Stress litten.

Erwartungsvolles Wiedersehen: "Arctic Sea is coming to youuu...."
Der Holzfrachter, von dem spekuliert wird, dass er außer Holz auch noch russische Luftabwehrraketen vom Typ S-300 an Bord gehabt haben könnte, die für den Iran bestimmt gewesen seien, ist in der Vergangenheit offenbar schon öfters vom Radar verschwunden, enthüllte ein britisches Schifffahrts-Magazin – immer in der Gegend von Gibraltar und immer mit Holz an Bord.
Für kürzere Zeiträume ist es durchaus normal und häufig, wenn Schiffe aufgrund der begrenzten Reichweite der AIS-Signale nicht geortet werden können.
Frühere Blackouts der Arctic Sea:
01.04.09 - 11.04.09
13.02.08 - 04.03.08
26.04.07 - 14.05.07
Immer kam die Arctic Sea aus Finnland oder Estland und lief mit Holz beladen regelmäßig zwei algerische Häfen an. Die Reederei Solchart wollte gegenüber der Presse dazu keine Stellung nehmen.
Neben dem weit verbreiteten Verdacht über eine verdeckte Raketenlieferung an den Iran gibt es durchaus noch eine andere ernst zu nehmende Hypothese, insofern Algerien nicht eine Zwischen-, sondern die Endstation des mutmaßlichen Schmuggelgutes gewesen sein könnte. Nicht nur der Iran, sondern auch Algerien arbeitet seit längerem an einem Atomprogramm, wenngleich das Land dabei vor allem mit den USA und Frankreich kooperiert.
So könnten neben der vergleichsweise sperrigen Raketenfracht durchaus auch andere, vielleicht auch radioaktive Utensilien transportiert worden sein. Erst kürzlich wurde wieder ein russischer Frachter in Norwegen erwischt, der nicht deklarierte Atomabfälle geladen hatte.

MCL Trader: 12 Container mit Atomabfällen aus Polen an den Behörden vorbei geschippert
Und im Mai 2008 war eben dieses Schiff, das eine Spezialgenehmigung für radioaktive Transporte hat, vor der Insel Bornholm auf Grund gelaufen. Ursache: Alkoholische Intoxikation, sprich - die Besatzung war stinkebesoffen. Gott sei Dank war das Schiff damals unbeladen.
Wir erinnern uns, dass nach dem Auslaufen der Arctic Sea aus dem finnischen Hafen von Pietarsaari Unbekannte die Feuerwehr alarmiert hatten, der Anlegeplatz sollte auf Radioaktivität hin überprüft werden.
Und noch was gibt zu denken: Am 23.08., also wenige Tage nach der Befreiung der "Arctic Sea" hat laut einem Magazinbericht Israel über amerikanische Vermittler Algerien gewarnt, sich weiterhin feindselig gegenüber der Sicherheit Israels zu verhalten. Konkret ginge es dabei um den Schutz der Seehandelswege, die über die Straße von Gibraltar an den angrenzenden Militärbasen Algeriens in einem Abstand von weniger als 100 Seemeilen vorbeiführen. Israel zeigte sich besorgt über die in den letzten Jahren ausgebauten militärischen Seestreitkräfte Algeriens.
Interessant ist auch die Bemerkung eines Anwaltes der "Piraten" gegenüber der Presse, er hätte ein Verhörprotokoll einsehen können, aus dem hervorgeht, dass die Arctic Sea bereits zwei Tage vor dem behaupteten Hijacking, also am 22. Juli, von einem Schnellboot mit ca. 22-24 Mann an Bord angehalten worden wäre, die das Schiff dann 12 Stunden lang durchsucht hätten.

Arctic Sea: Bereits nach 15 Seemeilen nach dem Auslaufen gestoppt?
Nur wenige Weblogs wie z.B. der Seefahrerblog und World.Content.News hatten früh die AIS-Signale ausgewertet und waren bei einem Deutungsversuch zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen, die Presse ging - soweit bekannt - nicht darauf ein. <Schulterklopf>? Oder hat der Jurist nur sehr ausführlich im Internet gestöbert?
Der britische Guardian berichtete, der Anwalt hätte die Version der Angeklagten wiederholt, die Männer wären vom estländischen Pärnu aus aufgebrochen und wären beim Testen eines Navigationsgerätes in eine Notsituation gekommen. Daraufhin seien sie von der Mannschaft der Arctic Sea freundlich aufgenommen worden und hätten des öfteren "Party" mit ihnen gefeiert:
"We spent the last two nights on board getting drunk with the crew"
Das höchste Moskauer Gericht hat jüngst bestätigt, dass die weitere Haftunterbringung der mutmaßlichen Hijacker gerechtfertigt sei.
Und da war noch der vornehme Pirat, der ehemalige Chef einer Reederei namens Dmitri Savin. An anderer Stelle wurde bereits ausführlich über seinen Werdegang berichtet.
Im Zusammenhang mit dem Verschwinden der Arctic Sea im Englischen Kanal stellt sich jetzt heraus: Da muss ziemlich viel Verkehr gewesen sein an diesem Tag.

Savin-Schiff "Nordic Victory": Mit der Arctic Sea den Kanal hinunter...
Nicht nur Schiffe aus dem Eignerumfeld wie die vom Seefahrerblog beschriebenen Schiffe "North Spirit" und die "Sea Progress" hatten sich auf die Fersen des Holzfahrers begeben, nein - viel schlimmer - auch ein sogenannter "Piratentanker" :-) namens "Nordic Victory" (früherer Name: Pakri Victory) tuckerte im Abstand von etwa einer Stunde hinterher. Und das wohl mehrere Tage lang, wenn man davon ausgehen darf, das die Route der dann unsichtbaren Arctic Sea eine ähnliche gewesen sein muss.
Und warum Piratentanker? Pakry Victory, auf den Transport von Öl und Chemikalien spezialisiert, fuhr bis letztes Jahr noch für Pakry Tankers, die pleite gegangene Firma des Piratenhäuptlings Savin. Schöne Seilschaften oder furchtbare Verwandtschaften. Oder alles nur blöde Zufälle?
Quellen:
Arctic Sea re-appears on list of arrivals at Algerian port
(Helsingin Sangomat, 28.09.2009)
Wives Seek Return of Sailors
(St. Petersburg Times, 28.09.2009)
Arctic Sea schon öfters vom Radar verschwunden
(Russland Aktuell, 25.09.2009)
Crew 'welcomed' Russian 'pirates'
(BBC, 24.09.2009)
Russia’s Murmansk receives first nuclear waste import from Poland (bellona.org, 24.09.2009)
siehe auch:
Las Palmas: Arctic Sea jetzt unter militärischer Besatzung
(WCN, 23.09.2009)
Arctic Sea: Bisherige Artikel von World.Content.News
