Deutsche Soldaten erschießen in Afghanistan eine Frau und zwei Kinder
Nach dem Massaker von Asis Abad, bei dem US-Soldaten mindestens 89 Zivilisten, darunter viele Frauen und Kinder in den Tod bombten, haben jetzt erstmals auch deutsche Soldaten offenbar unschuldige Zivilisten getötet, als sie in einem Vorort von Kundus bei einer Drogenrazzia an einem Checkpoint das Feuer auf Teilnehmer einer Hochzeitsgesellschaft eröffneten.
Aus einer Pressemeldung von DPA: Bei einem Zwischenfall mit deutschen ISAF-Soldaten in Afghanistan sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Berlin mehrere Zivilisten getötet worden. Laut afghanischer Polizei handelt es sich um eine Frau und zwei Kinder. Zwei zivile Fahrzeuge hätten sich am Donnerstagabend einem Checkpoint der afghanischen Polizei und deutschen Kräften der Afghanistan-Schutztruppe südöstlich von Kundus genähert. Das teilte Ministeriumssprecher Thomas Raabe mit.
Trotz eindeutiger Zeichen der Sicherheitskräfte hätten die beiden Fahrzeuge ihre Fahrt fortgesetzt. Daraufhin hätten die Sicherheitskräfte das Feuer eröffnet. Vier weitere Kinder sollen verletzt worden sein. Der Vorfall werde untersucht.

Die Nervosität wächst: Besatzer in Afghanistan (© ddp)
Die Bundeswehr hat am Freitagabend nach Informationen von «Spiegel Online» in einer vertraulichen Stellungnahme für den Bundestag eingestanden, dass die tödlichen Kugeln aller Wahrscheinlichkeit nach aus deutschen Waffen stammen. Es gebe jedoch derzeit «keinen Grund, den deutschen Soldaten einen Vorwurf zu machen», heißt es in der Stellungnahme. Es gebe jedoch derzeit «keinen Grund, den deutschen Soldaten einen Vorwurf zu machen», heißt es in der Stellungnahme.
Die ISAF vermeldete auf ihrer Webseite, sie bedauere den Zwischenfall zutiefst, wies die Schuld aber von den Soldaten. Die Toten wären vermeidbar gewesen, wenn sich die Zivilisten korrekt verhalten hätten.
Der Sicherheitschef der afghanischen Polizei, Abdul Rahman Aqtash, teilte mit, die tödlichen Schüsse wären von Deutschen abgegeben worden. Im Dorf Kharooti südöstlich von Kundus hätten afghanische und deutsche Kräfte einen Kontrollpunkt eingerichtet, als sie die Information erhielten, ein Schmuggel-Fahrzeug mit Drogen beladen sei in die benachbarte Takhar-Provinz unterwegs.
"Zuerst erreichte ein Fahrzeug den Checkpoint, das flüchten wollte, als die Soldaten es stoppen wollten. Daraufhin eröffneten sie das Feuer auf ein dahinter fahrendes zweites Fahrzeug, das nicht auf entsprechende Stoppsignale reagierte." Der Fahrer soll aus Angst vor den Soldaten schnell umgedreht haben.
Laut der afghanischen Nachrichtenagentur "Pajhwok" waren die Insassen Teilnehmer einer Hochzeitsgesellschaft, die von Khanabad nach Kundus unterwegs waren.
Ein erster Vorab-Bericht erfolgte bereits gestern abend auf dem Blog "soldatenglueck.de", es dauerte mehr als zwölf Stunden, bis das Verteidigungsministerium dazu Stellung nahm.
Offenbar wächst die Nervosität unter den Soldaten, nach dem vor zwei Tagen ein deutscher Fallschirmspringer ums Leben kam, der mit seinem Fahrzeug in eine Sprengfalle der Taliban geraten war. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung sprach danach von einem "feigen und hinterhältigen Anschlag".
Erste Stellungnahmen zu dem jüngsten Geschehnis:
"Die Bundesregierung versagt in Afghanistan in jeder Hinsicht: Sie verstrickt die Bundeswehr immer tiefer in einen Krieg, bei dem völkerrechtswidrig immer mehr Zivilisten getötet werden. Es war nur eine Frage der Zeit, dass nun auch Deutsche daran beteiligt sind. Spätestens jetzt ist ein Umdenken erforderlich. Der Truppenabzug muss sofort eingeleitet werden", fordert der verteidigungspolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE, Paul Schäfer. Die GRÜNEN warnten derweil vor einem "Enfremdungssschub" zwischen Soldaten und der Bevölkerung. Weitere Reaktionen hier ...

Im Herbst 2008 wird im Bundestag über die Verlängerung der Mandate für den Bundeswehreinsatz in Afghanistan abgestimmt. Unter dem Motto "Dem Frieden eine Chance, Truppen raus aus Afghanistan" ruft die deutsche Friedensbewegung für den 20. September 2008 zu bundesweiten Demonstrationen nach Berlin und Stuttgart gegen den Bundeswehreinsatz in Afghanistan und die Mandatsverlängerung auf. (Infos zur Anreise hier)
Quellen:
Zivilisten sterben an Straßensperre der Bundeswehr
(Die Zeit, 29.08.2008)
Todesschüsse nach der Hochzeit
(Spiegel Online, 29.08.2008)
Bundeswehr soll Kinder getötet haben
(Stern, 29.08.2008)
Three Afghan civilians die in shooting at German checkpoint
(Earthtimes, 29.08.2008)
Hintergrund: Zivile Opfer im Afghanistan-Konflikt
(N24, 29.08.2008)
Fahrzeug hielt nicht – Sicherheitskräfte eröffneten Feuer – Zivilisten betroffen
(bundeswehr.de, 29.08.2008)
Aus einer Pressemeldung von DPA: Bei einem Zwischenfall mit deutschen ISAF-Soldaten in Afghanistan sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Berlin mehrere Zivilisten getötet worden. Laut afghanischer Polizei handelt es sich um eine Frau und zwei Kinder. Zwei zivile Fahrzeuge hätten sich am Donnerstagabend einem Checkpoint der afghanischen Polizei und deutschen Kräften der Afghanistan-Schutztruppe südöstlich von Kundus genähert. Das teilte Ministeriumssprecher Thomas Raabe mit.
Trotz eindeutiger Zeichen der Sicherheitskräfte hätten die beiden Fahrzeuge ihre Fahrt fortgesetzt. Daraufhin hätten die Sicherheitskräfte das Feuer eröffnet. Vier weitere Kinder sollen verletzt worden sein. Der Vorfall werde untersucht.

Die Nervosität wächst: Besatzer in Afghanistan (© ddp)
Die Bundeswehr hat am Freitagabend nach Informationen von «Spiegel Online» in einer vertraulichen Stellungnahme für den Bundestag eingestanden, dass die tödlichen Kugeln aller Wahrscheinlichkeit nach aus deutschen Waffen stammen. Es gebe jedoch derzeit «keinen Grund, den deutschen Soldaten einen Vorwurf zu machen», heißt es in der Stellungnahme. Es gebe jedoch derzeit «keinen Grund, den deutschen Soldaten einen Vorwurf zu machen», heißt es in der Stellungnahme.
Die ISAF vermeldete auf ihrer Webseite, sie bedauere den Zwischenfall zutiefst, wies die Schuld aber von den Soldaten. Die Toten wären vermeidbar gewesen, wenn sich die Zivilisten korrekt verhalten hätten.
Der Sicherheitschef der afghanischen Polizei, Abdul Rahman Aqtash, teilte mit, die tödlichen Schüsse wären von Deutschen abgegeben worden. Im Dorf Kharooti südöstlich von Kundus hätten afghanische und deutsche Kräfte einen Kontrollpunkt eingerichtet, als sie die Information erhielten, ein Schmuggel-Fahrzeug mit Drogen beladen sei in die benachbarte Takhar-Provinz unterwegs.
"Zuerst erreichte ein Fahrzeug den Checkpoint, das flüchten wollte, als die Soldaten es stoppen wollten. Daraufhin eröffneten sie das Feuer auf ein dahinter fahrendes zweites Fahrzeug, das nicht auf entsprechende Stoppsignale reagierte." Der Fahrer soll aus Angst vor den Soldaten schnell umgedreht haben.
Laut der afghanischen Nachrichtenagentur "Pajhwok" waren die Insassen Teilnehmer einer Hochzeitsgesellschaft, die von Khanabad nach Kundus unterwegs waren.
Ein erster Vorab-Bericht erfolgte bereits gestern abend auf dem Blog "soldatenglueck.de", es dauerte mehr als zwölf Stunden, bis das Verteidigungsministerium dazu Stellung nahm.
Offenbar wächst die Nervosität unter den Soldaten, nach dem vor zwei Tagen ein deutscher Fallschirmspringer ums Leben kam, der mit seinem Fahrzeug in eine Sprengfalle der Taliban geraten war. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung sprach danach von einem "feigen und hinterhältigen Anschlag".
Erste Stellungnahmen zu dem jüngsten Geschehnis:
"Die Bundesregierung versagt in Afghanistan in jeder Hinsicht: Sie verstrickt die Bundeswehr immer tiefer in einen Krieg, bei dem völkerrechtswidrig immer mehr Zivilisten getötet werden. Es war nur eine Frage der Zeit, dass nun auch Deutsche daran beteiligt sind. Spätestens jetzt ist ein Umdenken erforderlich. Der Truppenabzug muss sofort eingeleitet werden", fordert der verteidigungspolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE, Paul Schäfer. Die GRÜNEN warnten derweil vor einem "Enfremdungssschub" zwischen Soldaten und der Bevölkerung. Weitere Reaktionen hier ...

Im Herbst 2008 wird im Bundestag über die Verlängerung der Mandate für den Bundeswehreinsatz in Afghanistan abgestimmt. Unter dem Motto "Dem Frieden eine Chance, Truppen raus aus Afghanistan" ruft die deutsche Friedensbewegung für den 20. September 2008 zu bundesweiten Demonstrationen nach Berlin und Stuttgart gegen den Bundeswehreinsatz in Afghanistan und die Mandatsverlängerung auf. (Infos zur Anreise hier)
Quellen:
Zivilisten sterben an Straßensperre der Bundeswehr
(Die Zeit, 29.08.2008)
Todesschüsse nach der Hochzeit
(Spiegel Online, 29.08.2008)
Bundeswehr soll Kinder getötet haben
(Stern, 29.08.2008)
Three Afghan civilians die in shooting at German checkpoint
(Earthtimes, 29.08.2008)
Hintergrund: Zivile Opfer im Afghanistan-Konflikt
(N24, 29.08.2008)
Fahrzeug hielt nicht – Sicherheitskräfte eröffneten Feuer – Zivilisten betroffen
(bundeswehr.de, 29.08.2008)