Deutsches Kriegsschiff hat doch keine Babywindeln an Bord

Heute hat sich die deutsche Marine mit einer umfangreichen Gegendarstellung von der Front zurück gemeldet. Die Fregatte "Lübeck" beteiligt sich demnach nicht an angeblichen Hilfstransporten nach Georgien, sondern trainiert im Schwarzen Meer mit dem Eingreifverband der NATO u. a. das Morsen, Funken und Flaggen. Und: Der Verband fährt nicht nach Georgien, sondern wird sich in Rumänien und Bulgarien aufhalten. Gestern und auch heute noch hatten diverse deutsche Medien suggeriert, das Kriegsschiff hätte Hilfsgüter für die georgische Zivilbevölkerung an Bord.



Deutsches Kriegsschiff "Lübeck": Nur funken, morsen und flaggen


Nach der Darstellung ist die "Lübeck" am 22. August in den Hafen von Constanza in Rumänien eingelaufen und wartet dort auf den Rest des Flottenverbandes, der am 25. nachfolgen soll. Am 4. September schwimmt die SNMG1 in Varna ein, um am 8. September Bulgarien und anschließend das Schwarze Meer wieder zu verlassen.

Wenn nichts dazwischen kommt. "Die Welt" schreibt heute, die Schiffe sorgen für lebhafte Diskussionen in der Türkei und in Russland. Selbst wenige Schiffe werden in Russland wegen ihrer modernen Bewaffnung als Bedrohung angesehen und die Luftabwehrwaffen der US-Schiffe seien in der Lage, einen Teil des georgischen Luftraums abzudecken. In der Türkei spräche man dagegen bereits von einer Revision der Konvention von Montreux von 1936 und dass der Iran nun auch von dieser Flanke bedroht werden solle.

Die deutsche Marine betonte noch einmal, "das Einlaufen der Nato-Schiffe ins Schwarze Meer war langfristig geplant und angemeldet". Der üblich vergebene Name für eine solche länger andauernde und umfangreiche Übung wurde aber nicht daraus ersichtlich. Noch am 4.8. hieß es an Bord der "Lübeck": "Nächste Woche wird der SNMG 1-Verband ins östliche Mittelmeer verlegen und dort weiter den Seeraum überwachen" (Quelle). Am 7.8. begann dann der Kaukasus-Krieg.

Was fehlt: Die Absicht des Kommandoschiffs für Amphibische Kriegführung, die USS Mount Whitney (LCC-20). Die türkische Zeitung "Hurryet" hatte gemeldet, dass auch dieses Flaggschiff des Kommandanten der 6. US-Flotte im Rahmen der Hilfslieferungen die Dardanellen demnächst durchqueren soll.

Nachdem zwei weitere Kriegsschiffe, ein polnisches ("General K Pulaski") und ein US-Zerstörer ("USS McFaul") die Dardanellen passiert hatten, hat der Vizechef des russischen Generalstabs, Anatoly Nogovitsyn, heute eine deutliche Warnung an die NATO gerichtet:

"Die Situation im Schwarzen Meer eskaliert. Unter dem Deckmantel der Lieferung von humanitären Hilfslieferungen setzt die NATO setzt den Aufbau ihrer maritimen Präsenz in diesem Gebiet fort."

Gestern hieß es, der Charakter der angelaufenen Hilfsaktion wäre "extrem zweifelhaft".

Quellen:
Fregatte "Lübeck" beteiligt sich nicht an angeblichen Hilfstransporten nach Georgien
(presseportal.de, 23.08.2008)
Westliche Kriegsschiffe kommen ins Schwarze Meer
(Die Welt, 23.08.2008)
NATO increases naval presence in Black Sea
(thaindian.com, 23.08.2008)
NATO using aid as 'cover' for Black Sea build-up: Russia
(India Times, 23.08.2008)
US warship sails through straits, Russia suspicious
(The Financial, 23.08.2008)
USA drohen Russland mit Rauswurf aus G8
(Süddeutsche Zeitung, 23.08.2008)
Russische Pufferzone verärgert OSZE
(Handelsblatt, 23.08.2008)

siehe auch:
Taktische Kriegsmanöver der NATO im Schwarzen Meer
(WCN, 21.08.2008)
Kommentar: Der Hilfsgüterkrieg hat begonnen
(WCN, 22.08.2008)
Klar Schiff: NATO-Manöver im Schwarzen Meer (WCN, 22.08.2008)


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