Kommentar: Der Hilfsgüterkrieg hat begonnen

Diverse schwer beladene Kriegsschiffe sind derzeit unterwegs und alle wollen sie ins Schwarze Meer. Ja was wollen Sie denn, wird manch einer fragen - die haben doch nur Hilfsgüter an Bord. Stimmt, wenn man der Financial Times Deutschland von heute glaubt. Zitat wörtlich:

"Tatsächlich sind westliche Schiffe unterwegs. Sie bringen Hilfsgüter für die Opfer des Krieges um die abtrünnige georgische Provinz Südossetien, teilen die USA mit. Ebenso wenig wie eine zweite Kubakrise droht der Welt ein neuer Kalter Krieg. Russland ist keine Großmacht mehr und kann dem Westen nicht auf Augenhöhe begegnen."

Au weia. Falls damit auch die Kriegsschiffe der NATO gemeint sind (die Information müsste bei Drucklegung eigentlich angekommen sein): Dann hat erstens die NATO gelogen, wenn sie behauptet, diese Manöver wären seit Monaten geplant. Denn wie konnten sie den bösen, voll aggressiven Schlag Russlands gegen Georgien bloß so früh voraussehen, nachdem die Georgier mit ein bisschen Nachdruck ihre Wahrung der territorialen Integrität in Anspruch nahmen und dabei halt ein bisschen Kollateralschaden in Zchinwali in Kauf genommen wurde?

Und da ist dann noch dieses amerikanische Atom-U-Boot namens "Dallas" das in Griechenland, natürlich ebenfalls beladen mit Hilfsgütern (ohne J.R. an Bord !), seit Monaten auf die Gelegenheit wartet, die unheimliche (also gar nicht heimliche) Fracht vor Georgien übungshalber zu löschen, dabei wird gleichzeitig ein Versorgungsschiff der US-Küstenwache namens "Dallas" zusammen mit dem Zerstörer McFaul auf die Reise geschickt, der natürlich auch wiederum nur Gutes im Schlepptau führt.

Das muss bei den Russen doch echte Schuldgefühle auslösen, man wird sehen, bald werden auch deren Kriegs-Schiffe voll mit Hilfsgütern sich auf den Weg nach Georgien machen, um wenigstens einen Teil Wiedergutmachung zu leisten und bald wird das Schwarze Meer ächzen vor dem, was ihm da aufgebürdet wird.

Und irgendwann kommt der Tag, da wird es die Schnauze voll haben und so ein überladenes Schiff zu sich in die Tiefe ziehen. Dann wird die Gegenseite aufstehen und sagen: "Du Schwein, Du hast meine Hilfsgüter versenkt". Und dann werden sie sich bestimmt nicht mit Babywindeln und Gentech-Obst befeuern.

Aber Film halt - Klappe - schneiden, bitte. Russland ist ja schwach erfährt man in der Financial Times. Es hat sich überschätzt und muss jetzt den Schwanz einziehen. Weil, Zitat: "Die Atomwaffen der Russen sind seit 1992 nicht modernisiert worden. Die USA sagen darum, Moskau sei nicht zweitschlagfähig."

Brüll. Kicher. Lach. Oder auch nicht. So sieht es derzeit aus in Teilen der Medienlandschaft. Bis auf ein paar Schweizer Ausreißer erfährt man nur unter ferner liefen, dass da halt ein paar Kriegsschiffe der Nato irgendwie unterwegs sind, darunter auch ein deutsches. Keine Namen, keine Ausstattung, keine Art der Hilfsgüterbewaffnung. Während man in den USA als auch in Russland so halbwegs raus"kriegt", was die Weltmeere (un-)sicher macht, in Europa ist unsere Demokratie so perfekt, das müssen wir gar nicht wissen, es soll ja bloß keiner anfangen, auf seiner Krawatte rumzukauen.

Bei uns NATO werden Sie geholfen, die Russen sind klar unterlegen.

Bitte mit Genuss lesen, das blüht uns jetzt öfter:
Schwächelnde Großmacht - Keine Kraft zum Kalten Krieg
(Financial Times Deutschland, 22.08.2008)

Kategorie: World
alex (Gast) - 23. Aug, 11:09

"Ebenso wenig wie eine zweite Kubakrise droht der Welt ein neuer Kalter Krieg. Russland ist keine Großmacht mehr und kann dem Westen nicht auf Augenhöhe begegnen."

Vielleicht wollen die Russen dem Westen auch genau das glauben machen. Man nutzt hier wohl "schamlos" die arrogante Art des Westens um die NATO am Ende in die Falle tappen zu lassen. Ich denke Amerika wird die nächsten 10 Jahre als souveräne Nation sowohl wirtschaftlich aus auch militärisch aufhören zu existieren und damit sind dann auch die europäischen Staaten buchstäblich im Arsch. Noch haben wir Zeit uns mit Russland und auch China anzufreunden, aber Amerika versucht hier mal wieder einen Keil in Europa zu treiben, da die Amerikaner genau wissen "unsere Zeit ist bald vorrüber - dann gehen wir aber wenigstens nicht alleine unter".

Man will uns einreden, dass die Freundschaft über dem Antlantik mit einer Macht, die alle Menschen gnadenlos ausbeutet wichtiger ist, als die Freundschaft mit unserem direkten Nachbarn. Amer, dummer, arroganter Westen. Noch nie stand die Zeit so günstig, um einen friedlichen eurasischen Kontintent zu etablieren und wir lassen uns von Anglo-Amerika an der Nase herumführen und laufen wie der Esel der Möhre dem amerikanischen Wirtschaftswunder hinterher - so nah und doch niemals mehr erreichbar.

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