"Besondere Verdienste": Henryk M. Broder beschimpft Journalistin als "Vogelscheuche"

Der Publizist und Schriftsteller Henryk M. Broder erhält in diesem Jahr den Hildegard-von-Bingen-Preis für Publizistik. Dieser Preis wird seit 1995 an Medienschaffende vergeben, "die sich in besonderer Weise verdient gemacht haben". Worin diese Verdienste bei Broder seit geraumer Zeit hauptsächlich bestehen: Aus Anpöbeleien und Beleidigungen, die der Benediktinerin von Bingen, würde sie noch leben, wohl (~ sinnbildlich) die Schuhe ausziehen würde.

Jüngstes Beispiel: Broder hat auf dem Blog "Die Achse des Guten" eine Journalistin der Tageszeitung "junge welt" als "Vogelscheuche" tituliert, weil sie seiner Meinung nach unkorrekt über den Gefangenenaustausch zwischen Israel und Hisbollah berichtete. Hierbei verstieß er nicht nur gegen jegliche Regeln des journalistischen Anstands, sondern bediente sich überdies einer Sprachterminologie, wie man sie eigentlich nur aus dem Wortschatz von braunen einschlägigen Erzeugnissen her kennt.

Zitat Henryk M. Broder vom 18.07.2008:

...
Vieles von dem, was Frau Leukefeld schreibt, kann einfach mit ihrem Aussehen erklärt werden. Dafür kann sie nix, es kann ja nicht nur Heidi Klums und Nicole Kidmans geben, irgendwer muss ja dafür sorgen, dass die Normalverteilung funktioniert. Aber für diese Geschichte braucht es nicht nur das Äußere einer Vogelscheuche, man bzw. frau muss auch das Gemüt eines Pitbulls haben, der auf Kinder abgerichtet wurde.
(Entnommen aus: Die Vogelscheuche, der Pitbull und der Kindermörder

Dieser schlicht widerwärtige Angriff auf die Person der Journalistin Karin Leukefeld, die - oft vor Ort - ungeschminkt und ohne Polemik aus dem Alltag im Nahen Osten berichtet, ist nur der vorläufige Höhepunkt seiner Schimpfkanonaden, die der "Meister der Worte" offenbar aus dem Verlust der selbigen jüngst von sich gegeben hat (kleine Auswahl bei Wikipedia)

Grund seiner Attacke war offenbar, dass in der Berichterstattung von Leukefeld über den Austausch von Gefangenen und den sterblichen Überresten Gefallener die überlebenden Palästinenser als Freiheitskämpfer bezeichnet wurden. Über den Freigelassenen Samir Kuntar, der 1979 als 16-jähriger während eines Angriffs auf die israelische Küstenstadt Naharija laut Feststellung seiner Anhänger mit 5 Kugeln im Körper festgenommen wurde und ein israelischer Augenzeuge ihm vorwarf, einem vierjährigen Mädchen dem Schädel mit dem Gewehrkolben zertrümmert zu haben, schreibt er:

"In Deutschland wäre er nach dem Jugendstrafrecht bestraft worden, hätte höchstens zehn Jahre bekommen, von denen er sechs bis sieben abgesessen hätte, und würde seitdem als Reha-Maßnahme Frau Leukefeld bei den Recherchen für ihre Nahost-Artikel zur Hand gehen."


Dass die Todesstrafe bei uns abgeschafft wurde und dass man einen zum Zeitpunkt der Tat noch nicht Volljährigen nicht mit lebenslanger Haft bestrafen kann, das müsste doch wohl Konsens unter demokratisch gesinnten Mitbürgern sein. Und zum in diesem Fall wohl höhnisch gebrauchten Stichwort Reha-Maßnahme: Wie in diesem höllischen Krieg bei ähnlichen Delikten je nach Herkunft des Täters unterschiedliche Urteile ergehen, sei hier nur mal an einem unter vielen Fällen dokumentiert:

The father of a Palestinian boy kicked and beaten to death by a Jewish settler has accused the court of issuing a "licence to kill" for its sentence of community service and a fine.

The Jerusalem District Court sentenced Nahum Korman, 36, to six months of community service and a 70,000 shekels ($17,500) fine for the killing of Hilmi Shusha, 11, in the West Bank in October 1996.

...

The prosecution contended that Korman beat and kicked the child, knocked him down, put his foot on the boy's neck and struck him with a pistol. The boy suffered a head injury and a fractured spinal cord and died the next day in a hospital.
(Quelle: CNN, 22.01.2001)

Broder, der in seinem verdienten Kampf gegen den Antisemitismus einerseits und in seiner kaum verhüllten Verachtung des Islams andererseits nur allzu gerne mit der ihm vorgeworfenen politischen Unkorrektheit kokettiert, hat mit seinen Angriffen auf insbesondere linke Kritiker der israelischen Politik, die er pauschal des Antisemitismus verdächtigt, eine zunehmend unglaubwürdige und inhumane Position eingenommen. Damit sichert er sich allenfalls den Beifall einer Seite, deren "Klartext" und "politische Korrektheit" sich von selbst versteht:

Spitze Feder, scharfe Zunge – der Journalist und Schriftsteller Henryk M. Broder (61) liebt Klartext, besonders wenn es um Antisemiten und Islamisten geht. Sein Motto: „Warum sachlich, wenn es auch persönlich geht?“ Der „Hildegard-von-Bingen-Preis“ soll genau solche markanten Persönlichkeiten ehren! Broder bekommt die Auszeichnung im September. BILD meint: Das passt! (Quelle)


Medienlandschaft, Brot und Spiele: In der Annahme, dass auch die jüngste unzulässige Diffamierung einer Person keine Rüge des Deutschen Presserates nach sich ziehen dürfte: Lassen Sie sich Ihren Preis ruhig schmecken, Herr Broder, schöner aber werden Sie dadurch nicht ...

siehe auch:
Endlich wird Henryk Modest Broder standesgemäß gewürdigt
(duckhome.de, 19.07.2008)


Kategorie: Medien

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