Kollaps des US-Immobilienmarktes wird nicht mehr ausgeschlossen

Einstürzende Hohlbauten: Nach der Schließung der siebtgrößten US-Hypothekenbank Indymac am Freitag geht nun die Angst um, dass auch für die beiden größten amerikanischen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac das letzte Stündchen geschlagen hat. Experten sprechen bereits von einen "Tsunami", der über den Finanzsektor hereingebrochen sei. Dass diese Welle kommende Woche auch auf die weltweiten Aktienmärkte überschwappen dürfte, scheint absehbar.

Alles hat ein Ende, nur der US-Immobilienmarkt hat zwei: Fannie und Freddie. Deren drohende Pleite könnte das Ende des frei vagabundierenden Kapitalismus einläuten und den Beginn eines globalen wirtschaftlichen Einbruchs markieren, gegen den die Weltwirtschaftskrise von 1929 am Schluss "wie ein Spaziergang im Park" (British Telegraph) aussehen würde.

Schon wird in den USA laut über eine völlige Verstaatlichung von Fannie und Freddie nachgedacht. Bloß: Die beiden Luftikusse haben Schuldverschreibungen im Volumen von insgesamt fünf Billionen Dollar in ihren Büchern, was mehr als einem Drittel des US-Bruttoinlandsprodukts entspricht.

Die Turbulenzen waren am Freitag bereits spürbar: Der New Yorker Dow Jones-Index rutschte zum ersten Mal seit zwei Jahren vorübergehend unter die Marke von 11.000 Punkten, seit Beginn der US-Immobilienkrise brachen die Aktienkurse der beiden Gesellschaften um rund 90 Prozent ein. Allein am Freitag hatten die beiden knapp 30 Prozent gegenüber dem Vortag abgeben müssen.



Anlegerangst: "Na sowas, jetzt auch noch Bilanzmanipulationen ... !"


Da ist also gewaltig "was im Bush", wie ein Analyst feinsinnig rekapitulierte, auch Bilanzmanipulationen bei den Banken könnten jetzt offen zutage treten.

Nothilfe: Zwar hat der US-Senat mit einer klaren Mehrheit von 63 zu 5 Stimmen ebenfalls am Freitag ein Hilfspaket in Höhe von 300 Milliarden Dollar für verschuldete Hausbesitzer beschlossen, die dadurch neue Hypotheken erhalten und so vor der drohenden Zwangsvollstreckung bewahrt werden sollen. Es wird jedoch erwartet, dass das Repräsentantenhaus deutliche Kürzungen und Änderungen vornehmen wird. Auch Präsident Bush will das Gesetz so nicht unterschreiben.

Dass das Donnergrollen auch die Alte Welt nicht verschonen wird, ist abzusehen: Die Aktienfrösche erwarten denn auch für die kommende Woche einen "JoJo-Effekt" an den europäischen Börsen, manch einer sieht den Dax bis auf 5600 Punkte abschrabben (jetziger Stand: 6145). Bleibt der Ölpreis jedoch hoch und legt der Euro gegenüber dem Dollar nochmals zu, dürfte der niedliche Jo-Jo zum Bungee-Jumping ausarten. Wenn da mal nicht bei den Anlegern der Geduldsfaden reißt ...

News:
Finanzkrise: "Sturm, den die USA noch nie zuvor erlebt haben"
(diepresse.com, 12.07.2008)
Bankencrash schockt Amerika
(Stern, 12.07.2008)
George Soros-Interview: "Tiefste Krise seit den 30er Jahren" (Stern, 12.07.2008)
Größte US-Bankenpleite seit 1984 (Tagesschau, 12.07.2008)
US-Aktienmärkten steht unruhige Woche bevor
(Reuters, 12.07.2008)
Jo-Jo-Markt" dürfte anhalten - Richtung 5.600
(cecu.de, 12.07.2008)
300 Milliarden Dollar Hilfe für Hausbesitzer
(Tagesschau, 12.07.2008)
Finanzkrise trifft dänische Roskilde Bank hart
(Neue Zürcher Zeitung, 12.07.2008)
Citibank Deutschland wird französisch
(Wiesbadener Kurier, 12.07.2008)
Finanzkonzern Fortis wechselt Vorstandschef aus
(Reuters, 12.07.2008)
Bankenkrise betrifft Deutschland offenbar nicht so stark
(AFP, 12.07.2008)

Analyse :
Die umfassende weltweite Krise: 2008 bis 2013 - vier große Tendenzen
(GEAP, 18.04.2008)


Kategorie: Wirtschaft

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