Geologen: Erdbeben von Sichuan war "völlig ungewöhnlich"

Völlig unerwartet und offenbar dennoch vorhergesagt: Die größte Naturkatastrophe dieses Jahres, die sich ausgerechnet in der Region von China ereignete, die auch als Zentrum der militärischen Nuklearforschung bekannt ist, gibt den weltweiten Erdbebenforschern nach wie vor Rätsel auf.

Das verheerende Erdbeben im Südwesten Chinas Mitte Mai war nach Angaben von US-Geologen ein außergewöhnliches Ereignis: So ein Beben komme nur alle 2000 bis 10.000 Jahre vor, erklärten Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT). Sie untersuchten die Region rund um das Epizentrum in der Provinz Sichuan und fanden keinen Hinweis, der im Vorfeld auf ein derart starkes Beben hingedeutet hätte. Bei dem Erdbeben der Stärke 7,9 waren 88.000 Menschen ums Leben gekommen oder werden vermisst. Weitere zwei Millionen verloren ihre Lebensgrundlage.


Im Rahmen von Langzeituntersuchungen werteten die Wissenschaftler bis zu ein Jahr alte Daten von 25 Messstationen im Westen Sichuans aus. "Niemand hat erwartet, dass es ein schweres seismologisches Ereignis geben würde", sagte die Geologieprofessorin Leigh Royden vom MIT. "Das Erdbeben war völlig ungewöhnlich." Gleichzeitig warnten die Wissenschaftler vor weiteren starken Beben in der Region. Erschütterungen träten zumeist gehäuft auf.

Die Geologen machten in ihrer Studie Gesteinsrisse in der Erdkruste mit nur geringer seismologischer Aktivität für das Beben verantwortlich. Laut Royden ging es von mindestens zwei benachbarten Spalten in der Erdkruste aus. Zudem hätten die wegen der großen Höhenunterschiede in der Region vorherrschenden Spannungen in der Erdkruste verstärkend gewirkt. ...(Quelle: AFP)

Auch mehr als sechs Wochen nach dem Hauptbeben kommt die Region nicht zur Ruhe: Insgesamt 226 Nachbeben der Stärke >4 auf der Richterskala hat es seitdem gegeben, die Wissenschaftler geben keine Entwarnung. Das Becken von Sichuan soll sich durch das Erdbeben um 60 Zentimeter (!) abgesenkt haben, dabei hat sich auch ein Teil der betroffenen Erdoberfläche verformt, so GPS-Messungen.

Abgesehen von einem einzelnen, nicht zu qualifizierenden Bericht soll es jedoch keine größeren Schäden an den nuklearen Anlagen (und an den vermutlich in den Bergen stationierten atomaren Langstreckenraketen) gegeben haben, davon geht die chinesische Menschenrechtsorganisation "Information Center for Human Rights and Democracy" aus:

''If these nuclear sources were damaged, the destructive force it released would be hundreds of thousands times more powerful.''

Die chinesische Autorin Xu Pei hat immerhin mindestens 11 Atomstandorte im Sichuan-Becken recherchiert:

  1. SCAID (Sichuan Aerospace Industry Corporation) is an exclusiveregional company affiliated with China Science & Technology GroupCorporation. It is not only a key base for China’s launching rockets andmissiles but also one of the most important designers and manufacturersfor the Multiple Launch Rocket Weapon System. 
  2. CARDC (China Aerodynamics Research and Development Center; code name: Base 29) headquartered in MianYang, but having varied institutes in An County. On the surface, it belongs to Industrial Department 7(Aerospace), but in reality it belongs to the Chinese Army. It is the largest of its kind in China, but not comparable to USA’s NASA and Russian equivalents.  
  3. NPIC (Nuclear Power Institute of China, code name: Institute 909), in Jia Jiang; conducts nuclear reactor engineering and experiments related to Nuclear power.
  4. CAEP (official name: Chinese Academy of Engineering Physics; some call as: China Engineering Physics Research Institute; code name:Institute 902 or Base 839 although some called it the 839 Project), in MianYang. Main purpose: nuclear weaponry.
  5. Nuclear Fusion Research Institute (from Institute 503 of Chang Chun; code name: Institute 585) in Le Shan. Nuclear Fusion is the major direction there, which has received a lot of prizes and praise for the effort to make a “man-made sun”. Two years ago it made the claim of placing the “man-made sun” in “normal operation”, a result that was controversial even within my own classmates majoring in that field. The institute has China’s largest Tokamak-type reactor (the 2nd largest one is in Hefei, Anhui). It is interesting to note that this institute claims a cozy cooperation with the Department of Energy of the USA. 
  6. Bei Long Jiang Nuclear Base (also code named Factory 821, was codenamed Factory 404), in Guang Yuan. Producing nuclear warheads and is China’s largest manufacturer of nuclear reactors, also has a factory producing Plutonium which is needed for modern nuclear weapons. 30,000 people. A likely nuclear accident site during the earthquake.
  7. SWIP (Southwest Institute of Physics, initially code named Factory221), in Mian Yang. Was called as Northwest Nuclear Weapon Research Institute (code name: Institute 9 of National Defense) when is was basedin Qing Hai Province as China’s first nuclear weapon research base and responsible for China’s first atomic bomb. 
  8. E Mei Machinery Manufacturer (code name: Factory 525, belong to the Nuclear Industrial Department)
  9. Factory 814, in Le Shan. Producing heavy water, with 40,000 people.
  10. Factory 816, in Fu Ling. It was for nuclear fuel, but now a fertilizer factory. It had a top secret project with a huge cave-in the1,100 meter mountain. But about 2 years ago they took out most of the computers (Sichuan had the country’s fastest computer Milky Way 1).
  11. Factory 857, in Jiang You. Produced the hydrogen Bomb, and worked on the neutron bomb. This is where May 18, 2008’s 6.0 scale earthquake (largest aftershock after May 12’s) hit. It suffered a lot during the earthquake with many casualties and injured people.

Die chinesischen Behörden betonten, sie hätten nach dem Erdbeben alle radioaktiven Quellen "unverzüglich an einen sicheren Ort gebracht".

Im Zeitalter von asymmetrischen Kriegen werden wir nun also auch anscheinend von "asymmetrischen Erdbeben" heimgesucht. Fragen, ob sich solche Ereignisse in diesem Ausmaß auch künstlich hervorrufen lassen, gehen derzeit weit über den menschlichen Vorstellungshorizont hinaus, obwohl man weiß, dass daran in militärischen Kreisen geforscht wird.

Explizite Warnungen vor dieser Katastrophe wurden von den Behörden als alltäglich dargestellt. Fluoreszierende Wolken, die vor dem Erdbeben beobachtet wurden, ist nach Ansicht von Wissenschaftlern in bestimmten Regionen ein häufiges Phänomen (= Zirkumhorizontalbogen). Und um die tierischen Kröten als Erdbebenwarner mal richtig in Augenschein nehmen zu können, dazu fehlt den Forschern offenbar sowohl das Gespür als auch die nötige monetäre Äquivalenz.

Quellen:
MIT shows China quake was rare event
(MIT news, 01.07.2008)
Study: A geological and geophysical context for the Wenchuan earthquake of 12 May 2008 (gsajournals.org, 01.07.2008)
Hacker sorgte für falsche Erdbeben-Warnung
(PC Welt, 17.06.2008)
HAARP, Chemtrails and Earthquakes – Any connection?
(American Chronicle, 16.06.2008)

siehe auch:
Frühzeitige Erdbebenwarnung in China: Das Rätsel von Ma'erkang (WCN, 20.05.2008)
China: Droht nach dem Erdbeben die atomare Verseuchung? (WCN, 09.06.2008)


Kategorie: Wissenschaft

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