China: Droht nach dem Erdbeben die atomare Verseuchung?

Am Sonntag und am Montag haben zwei weitere Erdstöße der Stärke 5 erschüttert und den künstlich aufgestauten See am Jianjiang-Fluss weiter ansteigen lassen. Die heftigen Nachbeben könnten einen Dammbruch auslösen, die auch die atomaren Anlagen in der Region in Mitleidenschaft ziehen würden. Bei Mianyang und Guanghan befinden sich mehrere Atomanlagen, ein Forschungsreaktor, zwei Brennstofffabriken und zwei Anlagen zum Bau von Atomwaffen.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua waren neben dem See in Tangjiashan in der Provinz Sichuan durch das Erdbeben 33 weitere Seen entstanden, von denen 28 inzwischen ebenfalls als Bedrohung eingeschätzt werden. Von den drohenden Überschwemmungen wären 3 Millionen Menschen betroffen, 250.000 Menschen wurden bereits evakuiert.



Feind Natur: Mit Raketen gegen Geröllmassen (Quelle: Xinhua)


Die staatliche Zeitung "Beijing Times" berichtete Ende Mai von insgesamt "99 radioaktive Quellen", die "unschädlich" zu machen seien, die Regierung behauptet, die Lage unter Kontrolle zu haben, gibt aber auch zu: "Diese radioaktiven Quellen zu beseitigen ist oberste, dringende Priorität geworden". Zuvor hatten die Behörden die Entfernung von 5000 Tonnen giftiger Chemikalien aus der Region angeordnet. Durch das Beben waren auch mehrere chemische Fabriken beschädigt worden, wie viele Menschen durch entweichende Gase verletzt oder getötet wurden, ist nicht bekannt.

Besonders in Mianyang wäre bei Überflutung durch den dortigen See eine radioaktive Versuchung der Region kaum aufzuhalten. Es wird vermutet, dass Teile der Atomanlagen auch unterirdisch angelegt sind. Eine Meldung über eine bevorstehende Evakuierung von 1,3 Millionen Menschen in Mianyang wurde inzwischen wieder dementiert.



Weapons of Mass Destruction (WMD), Source: globalsecurity.org


Gerüchte über einen bereits erfolgten atomaren Unfall sind noch mit der nötigen Vorsicht zu behandeln: Ein ortsansässiger Bauer namens He hat dem Sanitäterteam erzählt, dass er und andere Bauern am 12. Mai, als sich das Erdbeben ereignete, etwas aus einer Bergspitze nahe dem Tal herausschießen sahen. Es sah aus wie Zahnpasta, die herausgedrückt wurde. Der Ausbruch habe etwa drei Minuten gedauert, sagte Bauer He. Er bestätigte, dass es kein Magma sondern Betonteile waren. Boxun News zufolge sind die Experten der Meinung, dass diese Betonteile anscheinend genauso dick sind wie diejenigen, die in Chinas unterirdischen Militäranlagen verwendet werden. (Quelle: EpochTimes)

Wenn die starken Nachbeben nicht nachlassen und die künstlichen Seen durch Kanäle nicht schnellstens abgelassen werden können, muss die Bevölkerung weiträumig evakuiert werden. Am Tangjiashan-See laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Soldaten sprengten am Sonntag mit mehreren Tonnen Dynamit und vier Raketen einen Abflusskanal wieder frei. Der See umfasst inzwischen knapp 230 Mio. Kubikmeter, 115 Kubikmeter kommen pro Sekunde neu hinzu, während der Abfluss zur Zeit nur 52 Kubikmeter zulässt. Der Seepegel steigt täglich um etwa 1 Meter an.

Bisher haben durch das Erdbeben nach amtlichen Angaben knapp 70.000 Menschen ihr Leben verloren, 17.000 werden noch vermisst.

Quellen:
China droht bei Flut nukleare Verseuchung
(Berliner Morgenpost, 30.05.2008)
Water rising too fast at China quake lake (CNN, 09.06.2008)
Alert remains as China's main quake lake keeps swelling
(Xinhua, 09.06.2008)
Radioaktive Gefahr durch unterirdische Nuklear-Explosion im Epizentrum von Sichuan (epochtimes.de, 09.06.2008)
11 Recherchierte Nuklearstandorte in der Erdbebenregion
(berliner-journalisten.com, 28.05.2008)

Update 10.06.:


Beichuan unter Wasser (10.06.)

China: Wassermassen überströmen zerstörte Städte
(Tagesschau, 10.06.2008)
Wassermassen bedrohen Mianyang (Stern, 10.06.2008)
Water pours from lake formed by China earthquake
(columbustelegram.com, 10.06.2008)
Raketenbeschuss verhindert Flutkatastrophe
(Tagesspiegel, 10.06.2008)


Kategorie: Umwelt

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