USA versteckt Gefangene auch auf Kriegsschiffen

Neben Geheimgefängnissen, die auf dem europäischen und afrikanischen Festland existierten, sind mehrere entführte Terrorverdächtige offenbar auch in "schwimmenden Gefängnissen" festgehalten worden. Dies berichtet der britische Guardian in seiner heutigen Ausgabe und beruft sich dabei auf die Menschenrechtsorganisation Reprieve. Demnach stehen mindestens 17 Kriegsschiffe im Verdacht, wo vorübergehend Gefangene beherbergt und "befragt" wurden, bevor man sie an andere Orte brachte. Die betroffenen Schiffe seien u.a. im Indischen Ozean und in der Nähe von Somalia im Einsatz gewesen.



USS Peleliu: Schwimmende Festung vor den Philippinen


Deutliche Erkenntnisse für eine geheime Haft gibt es offenbar bei den amphibischen Angriffsschiffen USS Peleliu (LHA 5) und USS Bataan (LHD 5). Andere Schiffe, die verdächtigt werden, weil sie sich über längere Zeit in den Gewässern vor Diego Garcia aufhielten:

USNS Stockham
USNS Watson
USNS Watkins
USNS Red Cloud
USNS Sisler
USNS Soderman
USNS Charlton
USNS Dahl
USNS Pomeroy
MV Pvt. Franklin J. Phillips
MV CPL Louis J. Hauge JR.
MV PFC William B. Baugh
MV PFC James Anderson Jr.
MV 1st Lt. Alex Bonnyman

Auch auf der Insel selbst existierte möglicherweise ein geheimes Gefängnis. Sie gehört zum Britischen Territorium im Indischen Ozean. Dort sollen neben weiteren Personen die Terrorverdächtigen Hambali aka Riduan Isamuddin, Abu Zubaydah und Khalid Shaikh Mohammed festgehalten und schwer gefoltert worden sein. Am Donnerstag beginnt in dem US-Gefangenenlager auf Kuba der erste Prozess gegen fünf mutmaßliche Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September 2001, darunter Shaikh Mohammed. Ihnen droht die Todesstrafe.

Jahrelang stritt man in England alles ab, doch dann hieß es plötzlich - "very sorry indeed'': Im Frühjahr dieses Jahres hatte die britische Regierung zugegeben, dass die Flieger der USA mit Gefangenen an Bord auf der Insel zum Auftanken Halt machten. Dass es nicht beim Tanken blieb, scheint nun gewiss, es wurde eine neue Untersuchung eingeleitet. Der mysteriöse "Selbstmord" eines hohen Beamten, der u. a. auch die CIA-Flüge aufklären sollte, fällt im übrigen genau in diesen Zeitraum.

Die britische Menschenrechtsgruppe Reprieve weist auf eine weitere Inselgruppe hin, die unter britischem Hoheitsrecht steht: Insbesondere auf den Turks- und Caicosinseln (Flughafen von Providenciales) haben viele Gefangenenflieger oft Station gemacht.

Gestern wurde nun die US-Regierung ersucht, die Namen der Gefangenen herauszugeben, die auf Schiffen festgehalten wurden. Reprieve will noch in diesem Jahr einen neuen detaillierten Bericht dazu herausgeben. Die Organisation weist außerdem darauf hin, dass seit der Ankündigung der Einstellung der "Extraordinary Renditions" im Jahr 2006 bis zu 200 weitere Personen Opfer der illegalen CIA-Entführungen wurden.

Quellen:
US accused of holding terror suspects on prison ships
(Guardian, 02.06.2008)
"Schwimmende Gefängnisse" für Terrorverdächtige
(Der Standard, 02.06.2008)
Prozess gegen Hauptverdächtige des 11. September beginnt
(Focus, 02.06.2008)
Enforced disappearance, illegal interstate transfer, ...
(Reprieve, Okt. 2007)
Über 50 CIA-Geheimflüge über Portugal in zwei Jahren?
(ORF, 23.05.2008)
The truth about rendition (New Statesman, 25.02.2008)

siehe auch:
Messe-Highlight in der Schweiz: Folterflieger zum Anfassen
(WCN, 26.05.2008)
Gefangenentransporte nach Guantanamo wieder aufgenommen
(WCN, 20.03.2008)
"Journey Of Death": Letzter Stop Guantanamo
(WCN, 03.02.2008)
Innenansichten eines CIA-Folterkerkers (WCN, 17.12.2007)


Kategorie: Menschenrechte

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