Londoner Times deckt FBI-Lügen im Proliferations-Skandal auf

Im Zusammenhang mit wohl einem der größten Skandale in der US-Geschichte, bei der hochrangige Beamte des Außenministeriums bestochen worden sein sollen, um türkischen und israelischen Agenten Zugang zu Atomwaffenlabors zu verschaffen (WCN berichtete), bestätigt die britische "Times" heute die Echtheit eines von der FBI abgezeichneten Geheimdokuments, dessen Existenz die Behörde bestritten hatte.

Zwei Wochen, nachdem die Sonntagsausgabe der Zeitung auf der Titelseite mit einer Enthüllungsgeschichte über Atomproliferation die schweren Anschuldigungen der früheren FBI-Übersetzerin Sibel Edmonds
veröffentlichte, hat das Blatt nun nachgelegt. Zitiert wird ein FBI-Dokument mit dem Aktenzeichen 203A-WF-210023, das der Redaktion vorliegt und von einem FBI-Offiziellen abgezeichnet wurde. Letzte Woche hatte das FBI auf eine Anfrage im Rahmen des Freedom of Information-Aktes (FOIA) noch mitgeteilt, ein Dokument mit dieser Nummer sei der Behörde unbekannt.

Das Dokument basiert auf der Abschrift eines anonymen Briefes an die US-Menschenrechtsorganisation Liberty Coalition. Der Brief beschreibt unter anderem, dass die damalige Nr. 3 im Außenministerium, Marc Grossman, 2001 die türkische Botschaft in Washington davor gewarnt hatte, dass eine verdeckte CIA-Antiproliferations-Aktion über eine Firma mit dem Namen "Brewster Jennings" laufe. Diese Firma wurde zwei Jahre später bekannt, als die "Plame-Affäre" in die Öffentlichkeit gelangte. Valerie Plame war in dieser CIA-Firma als "Analystin" beschäftigt.

Daneben bezieht sich der Brief auf Abhöraktionen von türkischen Zielpersonen, die mit ISI-Geheimdienstagenten an der pakistanischen Botschaft in Washington in Kontakt waren. Dadurch gelangten Nukleargeheimnisse auf den Schwarzmarkt in Ländern wie Pakistan und Saudi-Arabien.

In dem Schreiben heißt es wörtlich:

“You may wish to request pertinent audio tapes and documents under FOIA from the Department of Justice, FBI-HQ and the FBI Washington field office.”

Die Existenz dieses Briefes beweist: Entweder hat das FBI die Öffentlichkeit angelogen oder das nicht mehr auffindbare Dokument wurde vernichtet. Letzteres ist jedoch kaum vorstellbar. Angeblich soll noch mehr beweisbares Material existieren.

Sibel Edmonds behauptet jedenfalls:

"We have the facts, we have the documents, we have the witnesses. Put out the tapes, put out the documents, put out the intercepts – put out the truth."



Früherer Pentagonberater Ellsberg: "She is certainly on of my heroes"


Edmonds hatte 2002 vor dem amerikanischen Kongress hinter verschlossenen Türen umfassend über ihre Erkenntnisse ausgesagt, mit dem Ergebnis, dass ihr strafrechtliche Konsequenzen im Falle einer Veröffentlichung angedroht wurden. Sie hat sich vor wenigen Monaten dennoch entschlossen zu reden, wenn sich nur eine genügend große Öffentlichkeitsplattform bietet. Doch die regierungskonformen US-Medien haben sie abblitzen lassen, sie musste sich an die Auslandspresse wenden.

Der vor zwei Wochen erschienene Artikel in der Times hat bisher in den westlichen Medien fast keinerlei Reaktion hervorgerufen. Die vermutlich gebriefte US-Presse hat unisono dazu geschwiegen, die europäischen Medien haben Angst, sich die Finger daran zu verbrennen. Denn zu ungeheuerlich wirkt der Umfang der Anschuldigungen:
  • Beihilfe von Regierungsbeamten zum Einschmuggeln von ausländischen Agenten in das US-Atomwaffenforschungs-Labor von Los Alamos

  • Verwicklung des pakistanischen Geheimdienstes ISI in die Vorbereitungen der Anschläge zum 11. September 2001

  • Behinderungen von FBI-Ermittlungen durch die Regierung

  • Unterstützung des internationalen Drogenschmuggels durch hohe Offizielle, die bei Ermittlungen die Einschaltung der Drogenbekämpfungsbehörde DEA verhinderten

  • Der einzige Grund für ihre Kündigung durch das FBI war, dass sie die Behörden auf ihre Erkenntnisse aufmerksam machte.


Insgesamt ist es vermutlich jedoch nur die Spitze eines Eisberges, was bisher enthüllt wurde. Beobachter glauben an einen größeren Zusammenhang mit historischen Ereignissen wie etwa der BCCI-Skandal ("Bank of Credit and Commercial International"), der Iran-Contra-Affäre und den Geschäften der Bush-Familie mit saudi-arbischen Geschäftsleuten, darunter die Bin-Laden-Familie.

Unter den von Sibel Edmonds insgesamt 21 Beschuldigten, darunter Pentagon- und State Department- Mitarbeiter, Kongreßabgeordnete und Wissenschaftler, befinden sich zudem auch Personen, die neben Marc Grossman falsche Informationen über angeblich vorhandene Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein verbreiteten, was letztendlich der Auslöser für die US-Invasion im Irak war.

Weitere Informationen in Kürze ...

Quellen:
FBI denies file exposing nuclear secrets theft
(The Sunday Times, 20.01.2008)
UK Times: Official Documents Prove FBI lied to protect US officials
(letsibeledmondsspeak.blogspot.com, 20.01.2008)
UK Sunday Times Scoops US Media Again, Confirms FBI Cover-Up of Documents in Sibel Edmonds Nuke Secrets Case
(The Brad Blog, 20.01.2008)


Kategorie: Geheimdienste

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