Guantanamo-Flieger stürzt mit 4 Tonnen Kokain an Bord in den Dschungel Yukatans

Am Montag dieser Woche musste der amerikanische Geheimdienst CIA zum zweiten Mal innerhalb von 18 Monaten einen empfindlichen Rückschlag im Drogenschmuggel-Business hinnehmen. Wieder in Mexiko. Eine Gulfstream II mit der Registriernummer N987SA stürzte am Montag nur 2 km von der Stadt Tixkokob und etwa 30 km von Merida entfernt (Hauptstadt des Bundesstaates Yucatán), auf der Flucht vor mexikanischen Militärhubschraubern in ein Waldgebiet. Verletzte oder Tote gab es offenbar nicht, die Besatzung konnte sich zunächst aus dem Staub machen. Letzten Berichten zufolge gab es schließlich doch noch zwei Festnahmen.

Statt menschlichen Passagieren, für deren Transport das Flugzeug eigentlich vorgesehen ist, fanden sich 132 Säcke, die über 3,6 t Kokain enthielten. Das zulässige Transportgewicht des 22-sitzigen Business-Jets wurde somit um mehr als vierzig Prozent überschritten, die Maschine zerbrach in mehrere Teile.








Besonders pikant: Das Flugzeug landete zwischen 2003 und 2005 mindestens drei mal auf der Gefangeneninsel Guantanamo, dessen Flugdaten wurde von europäischen Behörden mit dem Verdacht auf Entführung von Terrorverdächtigen überprüft. Beim damaligen Operator handelte es sich um die Firma Richmor Aviation, die Flugzeuge zur Weitervermietung anbietet, von denen etliche für konspirative Operationen der CIA genutzt wurden und werden.

Die derzeitigen Eigentümer der Gulfstream, die Firma Donna Blue Aircraft Inc. mit Sitz in Coconut Creek, Florida, gegründet im März dieses Jahres von Joao Luiz Malago und Eduardo Dias Guimaraes, hatten das Flugzeug erst vor wenigen Wochen erworben und bei der FAA angemeldet. Die N987SA wurde daraufhin von Wichita nach Clearwater in Florida überführt, am 18. September 2007 ging die erste Reise mit den neuen Besitzern über Fort Lauderdale nach Cancun, Mexiko und weiter zu einer bisher noch unbekannte Destination in Kolumbien, wo die Drogensäcke an Bord verladen wurden.

Am 24. September erfolgte dann die Wiedereinreise nach Mexiko. Laut mexikanischen Behördenvertretern sei das Flugzeug zwei Stunden lang über der Kleinstadt Tixkokob gekreist, woraufhin man die Armee darüber informiert habe. Anderen Quellen zufolge wurde das Flugzeug bereits seit Eintritt in den mexikanischen Luftraum verfolgt. Man vermutet, dass das Flugzeug in Yucatán eine Zwischenlandung einlegen sollte.

Vorbesitzer der N987SA war die weitgehend unbekannte Firma SA Holdings LLC mit Sitz in New York und San Francisco, der das Flugzeug von 2001 bis August 2007 gehörte und deren Geschäftsadresse laut Firmenregistrierungsunterlagen über ein New Yorker Rechtsanwaltsbüro verlief. Das Flugzeug selbst hatte in dieser Zeit einige hoch interessante Reiseziele angesteuert: z.B. Guantanamo, Bahamas, Barbados, St. Lucia, Guadeloupe, Puerto Rico, Virgin Islands, Aruba und die Dominikanische Republik.

In Europa, wo die Maschine des öfteren in Frankreich, Italien und Großbritannien auftauchte, stand sie unter Verdacht, für die CIA zu fliegen, das Europaparlament verzichtete jedoch in seiner Untersuchung auf eine nähere Überprüfung ihrer Flüge, da sie nicht zu den Kernflugzeugen der CIA zu zählen schien.

Guantanamo-Flüge der N987SA:

30.05.03 von Oxford, CT (USA) nach Guantanamo
30.05.03 von Guantanamo nach Washington
12.04.04 von Washington nach Guantanamo
20.01.05 von Washington nach Guantanamo
20.01.05 von Guantanamo nach Washington


Die Umstände des Drogenfundes in Tixkokob weisen frappierende Ähnlichkeiten zu einem Vorfall im April 2006 in Ciudad del Carmen auf, als die mexikanische Polizei eine DC-9 mit der Registrierungsnummer N900SA stürmte und 5,5 t Kokain, die in Koffern verstaut, waren beschlagnahmte. Auch damals hatte ein US-Bürger hispaniolischer Abstammung ein kurz zuvor verkauftes Flugzeug von Florida aus auf die Kokapiste geschickt, auch hier ging es gleich beim ersten Mal schief, die mexikanischen Behörden waren rechtzeitig vorgewarnt worden.

Die Vorbesitzer wurden von investigativen Journalisten wie Hopsicker schnell als Personen mit Kontakten zur internationalen Waffen- und Drogenschmuggelszene entlarvt, die Behörden sahen freilich keinen Anlass, außer einer höflichen Befragung weitere Ermittlungen aufzunehmen.

"Zufällig" wiesen auch damals involvierte Drogen-Flugzeuge die beiden Endbuchstaben SA in der Registriernummer auf, fast wäre man geneigt, zu glauben, dass die mysteriöse Firma SA Holdings LLC mit ihren Geheimdienstfingern auch die DC-9 steuerte.

Doch selbst wenn sich im nachhinein eine derartige Spur nachweisen ließe, die Komplexität dieses Netzwerkes geht weit über US-südamerikanische Verknüpfungen und den Drogenhandel hinaus, Tim Osman, die iranische Schah-Familie und die Old Boys will never die, auch wenn es inzwischen zwangsweise einige Personalveränderungen gegeben hat. Und schließlich gilt auch in diesem Erwerbszweig der eherne Spruch: "Wenn wir es nicht tun, dann macht es die Konkurrenz".

Doch keine Bange, von wegen Verschwörungshirngepinste und so - Untersuchungen werden am Ende zu dem Schluss kommen, zwei Mexikaner hätten das alles mit Hilfe von kolumbianischen Drogenbaronen alleine durchgezogen. Und Schwamm drüber, bis zum nächsten mal ...

Quellen:
Keine Leichen dafür 3,6 Tonnen Koks
(oraclesyndicate.twoday.net, 25.09.2007)
Drogenflieger abgestürzt (aerosecure.de, 25.09.2007)
Plane with four tonnes of cocaine crashes in Mexico
(Monsters and Critics, 24.09.2007)
Cocaine-laden plane crashes in Mexico jungle (ABC, 24.09.2007)
Accident description (aviation-safety.net, 24.09.2007)

Download: Flight Data N987SA
(2001-2005, Excel-Sheet, zipped, 60 KB)

Related Stories vom letzten Jahr:
CIA-Flieger in Mexiko mit 128 Koffern voll Kokain erwischt
(WCN, 24.04.06)
Kokainflieger-Skandal weitet sich aus (WCN, 10.05.06)


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siehe auch (Fortsetzung):
N987SA: Neue Spuren im Dschungel von Drogen und CIA


Kategorie: CIA Flights

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