Dokumentation: Die Landungen von 50 CIA-Flugzeugen in Deutschland (1)

Noch immer weigert sich die Bundesregierung, Details darüber preiszugeben, welche Flugzeuge der CIA deutsches Territorium nutzten - eine entsprechende Untersuchung durch die Flugaufsichtsbehörden liegt weiterhin unter Verschluss. World.Content.News hat deshalb auf eigene Faust recherchiert und kann nun nach monatelangen Nachforschungen 464 Landungsdaten von insgesamt 50 Flugzeugen präsentieren: Mit Flugzeugnummer, Betreiber/Eigentümer, Datum der Landung, Ort. Und besonders interessant: Oft konnte auch die Herkunft der Flugzeuge, ihre Flugrouten sowie ihr eigentliches Ziel nachvollzogen werden. Eine übersichtliche Liste mit allen Daten findet sich am Ende dieses Artikels.

1. Einleitung und Summary

Im Herbst letzten Jahres tauchten in den Medien erstmals Berichte auf, nach denen der US-Geheimdienst CIA geheime Gefangenenlager in Osteuropa unterhalten haben soll. Entführte Personen würden dabei auch häufig über dem europäischen Luftraum transportiert, hieß es. Nach und nach kam dann heraus, dass die CIA für ihre Gefangenentransporte und Logistikflüge bestimmte Drehkreuze bevorzugte: Frankfurt am Main (Deutschland), Shannon (Irland) sowie Prestwick (Schottland). Auch der Flughafen Keflavik in Island wurde gerne zum Auftanken genutzt.

Untersuchungen durch das Europaparlament sowie durch die Menschen-rechtsorganisation Amnesty International kommen zu der Schlussfolgerung, dass die geheim gehaltenen Flüge den europäischen Regierungen bekannt gewesen sein mussten, u.a. wird darüber hinaus auch der deutschen Bundesregierung vorgeworfen, möglicherweise aktiv an den menschenrechtswidrigen Entführungen mitgewirkt zu haben. Die Bundesregierung hat bisher jegliche Kenntnis über die klandestinen CIA-Flüge abgestritten, in Kürze wird sich der CIA-Untersuchungsausschuss mit diesen Fragen beschäftigen.

US-Präsident George W. Bush hat unterdessen im Juni dieses Jahres während einer Unterredung mit dem dänischen Ministerpräsidenten Rasmussen eingestanden, die CIA habe im Rahmen des sog. Anti-Terror-Krieges auch Gefangene über europäischem Luftraum transportiert. Amnesty International hält dagegen, Gefangenenflüge hätten nicht erst seit dem 11. September 2001, sondern bereits seit Mitte der neunziger Jahre stattgefunden.

World.Content.News kommt angesichts der Recherchen über die Flug-bewegungen der CIA in Deutschland und ihren Destinationen in Nahost (Irak, Jordanien, Ägypten, Afghanistan), Osteuropa (Rumänien, Ungarn, Estland) und Asien (Turkmenistan, Aserbaidschan, Usbekistan) zu der Einschätzung, dass es der Bundesregierung unmöglich verborgen geblieben sein kann, was sich an geheimdienstlichen Aktivitäten auf deutschen Flughäfen abgespielt hat.

Es ist kaum vorstellbar, dass die ansonsten so gerühmten deutschen Nachrichtendienste die Flugbewegungen einschließlich der Abwicklung mindestens eines Gefangenenfluges (Entführung Abu Omar im Jahr 2003) nicht registrierten und die politische Führung davon nicht in Kenntnis gesetzt haben. Hier wird gemauert und gelogen, dass sich die Balken biegen, eine Umsetzung der Beweislast steht allerdings momentan noch aus.

Untersuchungsergebnisse: Insgesamt kam es im Untersuchungszeitraum von September 2001 bis Juli 2006 zu mindestens 464 Landungen der CIA auf deutschen Flughäfen. Es wurden 50 Flugzeuge registriert, deren Betreiber laut Untersuchungen und Medienberichten im Auftrag des US-Nachrichtendienstes unterwegs gewesen sein sollen.

Davon hatten 16 Flugobjekte (ca. 30 Prozent) eine oder mehrere Landungen auf Guantanamo oder auf dem Flughafen des geheimen Ausbildungslagers der CIA, Camp-Peary, vorzuweisen (Einzelheiten Teil 4 + Teil 5). Zwei Verlaufsrouten der Flugzeuge, die Deutschland ansteuerten. führten direkt über Washington - Guantanamo Bay bzw. Guantanamo Bay - Washington.

Es konnten Landungen und Starts auf 20 verschiedenen deutschen Flughäfen nachgewiesen werden. An der Spitze steht Frankfurt mit 328 Take-offs (ca. 70 Prozent). Es folgen Ramstein, München. Berlin und Stuttgart mit einer zweistelligen Landungshäufigkeit. (Einzelheiten siehe Teil 3).

In den Jahren 2002 bis 2004 wurden die meisten Landungen der untersuchten Flugzeuge registriert, danach ging die Frequentierung deutscher Flughäfen spürbar zurück, einige Maschinen, die mit möglichen Gefangenenflügen in Verbindung gebracht werden, wichen plötzlich auf die Flughäfen Shannon und Prestwick aus. Wurde das geschäftige Treiben der Bundesregierung zu bunt?

Aber auch in 2006 ist Deutschland keineswegs von CIA-Fliegern verschont geblieben, So befand sich darunter z.B. der ehemalige "Guantanamo Bay Express" (N126CH, ehem. N379P). Oder die durch die "Stern"-Berichte bekannt gewordene N368CE, die satte 88mal in Ashkhabad, Turkmenistan mit gelegentlichen Abstechern nach Bagdad und Kabul aufzufinden war. Daneben landen auch immer wieder mal zeitweise von der CIA genutzte Charterflugzeuge an (z.B. N1HC, N248AB, N970SJ, N982RK, viele davon mit Guantanamo-Hintergrund). Und sicher gibt es daneben auch etliche Maschinen, die in der Öffentlichkeit noch nicht aufgefallen sind.

Flugdatendarstellung: Um die Flugrouten übersichtlich aufzeigen zu können, wurde auf die übliche Anflug-Abflug-Notation verzichtet. Es wurde stets angenommen, dass die Landungen nur als Zwischenaufenthalt für den Weiterflug dienten. Es wurden weiterhin nur Flugzeuge untersucht, deren Betreiber von staatlichen Organisationen oder Menschenrechts-organisationen des Verdachts einer möglichen CIA-Zugehörigkeit oder Zusammenarbeit bezichtigt werden (Einzelheiten siehe Teil 2).

Bedanken möchte sich der Autor noch an dieser Stelle für die gute Zusammenarbeit mit Journalisten aus der Schweiz, Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien, die mit wertvollen Hinweisen zum Gelingen dieser Studie beigetragen haben. Und auch die Untersuchungen des Europa-Abgeordneten Claudio Fava hatten einen entscheidenden Anteil bei der Sicherstellung der Flugrouten.

Zur Flugdatenliste:
CIA-Landungen in Deutschland (Html, 330KB, entsprechende Ladezeit)

Zum Download der Daten :
CIA_Fluege_Deutschland.zip (76 KB)

siehe auch:
Teil 2: Gegenstand, Herangehensweise, Quellennachweis
Teil 3: Statistik: Frequentierte Flughäfen und Destinationen
Teil 4: Details: Flugzeuge unter die Lupe genommen
Teil 5: Exkurs: Camp-Peary-Landungsdaten
Teil 6: Schlussbemerkungen und Ausblick

Weitere Links zu diesem Thema:

CIA-Flugdaten: Untersuchung des Europaparlaments
(13.6.2006, Autor: Claudio Fava, PDF-Download, 874 KB)
Abschlussbericht Europarat (07.06.06, engl., pdf-Datei, 652kb, 67 Seiten)
Below the radar: Secret flights to torture and ‘disappearance’
(Amnesty-Bericht, 05.04.06)
Aktuelle CIA-Flüge weltweit in 2006

Autor der Studie, Kontaktmöglichkeit für die Presse:
Helmut Küffner

Für allgemeine Anmerkungen und Ergänzungen nutzen Sie bitte die Kommentarfunktion.

Kategorie: CIA Flights
Der Schlapphut (Gast) - 17. Okt, 22:08

News-Portal zur CIA-Affäre

have a look:

www.schlapphut.ch

Pegrat (Gast) - 26. Jan, 15:06

CASA 235

Am 25.01.08 stand in Prag eine CASA 235 mit der Reg N938BW. Eine Suche in der FAA Datenbank ergab das diese Reg nicht vergeben ist. Sicher auch ein CIA Flugzeug. War vielleicht mal die N168D.

softlabhennef (Gast) schrieb am 2. Feb, 16:30

=N983BW

War wohl diese da:
http://www.planes.cz/cs/photo/1026143/?win_res=1024">http://www.planes.cz/cs/photo/1026143/?win_res=1024">http://www.planes.cz/cs/photo/1026143/?win_res=1024
Gehörte bis 08/2006 Presidential Airways, klare CIA-Firma. War anscheined das erste Mal in Europa.

Menü




Latest Tweet (click to follow)
twitstamp.com



Net News Global

Zahl der kriegerischen Konflikte weiter rückläufig
Nach Untersuchungen der Hamburger Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) hielt...
Wahrsager und Betrüger
Die Wahrsager haben Lüge geschaut; und sie reden Träume des Truges, trösten...
Und dann war da noch Jörg Hacker, Direktor des Robert-Koch-Instituts (RKI)
Hacker hat sich mit der Schweinegrippe sehr weit aus dem Fenster gelegt. Ihm verdanken wir...
BEI DER NUTZUNG DER (TIEFEN) GEOTHERMIE ENTSTEHEN GRÖSSERE MENGEN AN RADIOAKTIV BELASTETEN ABFÄLLEN
"Während sich das Cäsium 137 aus der Tschernobyl-Katastrophe inzwischen zu...
Kondolenzschrift Ayatollah Chameneis zum Verscheiden von Ayatollah Montaseri
Das Oberhaupt der Islamischen Revolution, Ayatollah Chamenei, entsandte eine Kondolationsschrift...
Barham Saleh trifft mit Ahmadinedschad zusammen
Mahmud Ahmadinedschad, der iranische Staatspräsident, hob hervor, dass die Völker...
Tucholsky in Rheinsberg
Irgendwie kam er sich in diesen Räumlichkeiten, den Zimmern eines einstigen preußischen...
Mehr Jugendliche in den Knast
Zum Entsetzen aller Fachleute hat die neue CDU/CSU-FDP-Regierung in ihrer Koalitionsvereinbarung...
U.S.-Turbulenzen erschüttern Pakistan
Korruption und antiamerikanische Wut trennen das geplagte Land. An der Wand meines Büros...
Europäischen Banken drohen noch höhere Milliardenverluste
Die Europäische Zentralbank erhöht die Summe der Bankverluste auf 553 Milliarden...

Gulli News

Suche

 

Seite übersetzen

Status

Online seit 1558 Tagen
Zuletzt aktualisiert am:
19. Dez, 19:40 Uhr


RSS-Feeds:

xml version of this page
xml version of this page (summary)

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Credits




Firefox 3

Latest on Twitter