Leukämiedrama: Atomunfall in Schleswig-Holstein vertuscht

Die Hinweise verdichten sich: Am Freitag, den 12. September 1986, hat sich in Geesthacht, nur 30 Kilometer von Hamburg entfernt, ein bisher geheim gehaltener Störfall ereignet und Radioaktivität freigesetzt. Jahre später wurde eine bisher weltweit einzigartigen Häufung an Kinderleukämie beobachtet. Sechzehn Kinder sind in einem kleinen Radius um die Atomanlagen Krümmel und GKSS in der Elbmarsch an Blutkrebs erkrankt, vier davon sind inzwischen verstorben.

Im diesem Zusammenhang wollen atomkritische Wissenschaftler jetzt Belege für einen Atomunfall in Geesthacht gefunden haben. Grundlage seien Bodenproben, die seit 2004 nahe eines Forschungszentrums entnommen wurden, teilten die Gesellschaft für Strahlenschutz (GfS), die Bürgerinitiative gegen Leukämie in der Elbmarsch und die Organisation Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) am Freitag in Berlin mit.

Auch das ZDF ist diesem Skandal nachgegangen sendet am dazu am Sonntag, den 2. April eine Dokumentation mit dem Titel "Tod an der Elbe - Das Leukämiedrama von Geesthacht". Die Zeit ist wieder mal äußerst zuschauerfreundlich:-) Die Sendung beginnt um 23:30 Uhr (!).

Laut Berichten ist bis heute ist der Boden an bestimmten Stellen im Umkreis des Kernkraftwerkes Krümmel und des Kernforschungszentrums GKSS in Geesthacht radioaktiv mit Plutonium und Thorium kontaminiert.

Im Herbst 1986 solle es auf dem Gelände der GKSS einen großen Brand gegeben haben, die Behörden streiten dies jedoch bis heute ab. Als Beweise gibt es lediglich Augenzeugenberichte, die Unterlagen der Feuerwehr sind dummerweise bei einem Brand im Aktenschrank der Feuerwache vernichtet worden. Das ist auch aus Sicht der Betreiber ganz gut so, denn bei einem Gau in Deutschland wenige Monate nach der Katastrophe von Tschernobyl wäre die friedliche Nutzung der Kernenergie unweigerlich am Ende gewesen.

"Das Sterben hier muss aufhören. Die jetzige Regierung steht in der Pflicht, alles zu tun, um flächendeckend aufzuklären, wo die Kontaminationen sind", meint dazu Prof. Otmar Wassermann aus Kiel, der ehemalige Vorsitzende der Leukämie-Kommission Schleswig-Holstein.

Quellen:
Wissenschaftler wollen Belege für Atomunfall in Geesthacht haben
(Lübecker Nachrichten, 31.03.06)
ZDF: Boden um KKW Krümmel radioaktiv verseucht (hl-live.de, 31.03.06)
Bürgerinitiative vermutet Atomunfall in Kernforschungsanlage
(NDR, 31.03.06)
Plutonium im Garten (freitag.de, 06.12.02)

Nachtrag:
Unmittelbar nach Ausstrahlung der Dokumentation im ZDF brach ein regelrechtes "Gewitter" von Anfragen über Suchmaschinen über diese Seite herein. Ein Zeichen dafür, wieviel Aufklärungsbedarf noch besteht und wie geschickt dieser Skandal bisher unter der Decke gehalten wird.

Hier Suchtipps für weitere Informationen, die bei Google die interessantesten Ergebnisse bringen:

Google-Suche: Elbmarsch Atomunfall
Google-Suche: Brand Feuerwache Geesthacht
Google-Suche: GKSS Elbmarsch 1986
Google-Suche: Atomkraftwerk Leukämie Elbe
Google-News: GKSS

Und auch diese Seite sind lesenswert:
»Möglicherweise waren es militärische Experimente«
(Junge Welt, 01.04.06)
Mininukes und Leukämie (Junge Welt, 01.04.06)

Kategorie: Umwelt
Volker (Gast) - 8. Apr, 23:11

Linkliste Leukämie-Cluster Elbmarsch

Hallo, hier gibt es ein ausführliches Webverzeichnis (sortierte Linkliste) zum Leukämie-Cluster in der Elbmarsch, viele Grüße, Volker

Der Link zur Linkliste:

http://www.crause.de/elbmarschleukaemie.html

softlabhennef schrieb am 10. Apr, 12:55

Linkliste ...

Danke, eine ausgezeichnete Seite. Ich hab inzwischen einen (nicht näher) begründeten Verdacht zur Unfallursache: Es könnte ein sog. "Membranfilter" in Brand geraten sein, mit fehlen jedoch die technischen Kenntnisse für sowas. Hier eine interessante Webseite dazu:
http://72.14.203.104/search?q=cache:JgKPqAt9OmkJ:www.bccresearch.com/membrane/DMD98.html+%22H.B.+Fuller+Company%22+GKSS&hl=de&ct=clnk&cd=1

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